Hier am südwestlichen Rand der Insel schlägt das logistische Herz von Norderney: der Fährhafen. Über ihn kommt praktisch alles auf die Insel – Gäste, Autos, Lebensmittel – und alles, was man sonst so zum Leben benötigt.
Rund zwei Millionen Fahrgäste reisen pro Jahr zwischen Norddeich Mole und Norderney hin und her. Damit ist die Strecke nach Passagierzahlen die zweitwichtigste Fährverbindung Deutschlands. An schönen Sommertagen drängen sich hier Tausende – Tagesgäste, Urlauber mit Fahrrädern und Fahrzeuge. Die weiße Frisia-Flotte ist dann im Dauereinsatz.
Heute ist das selbstverständlich, früher war es das nicht. Bis 1871 gab es gar keinen Hafen. Die Dampfschiffe mussten draußen ankern, und die Reisenden wurden in kleinen Booten – bei Niedrigwasser sogar in pferdebespannten Korbwagen – durchs Watt an den Strand gebracht. 1871 baute man dann eine eiserne Seebrücke, deren Entwurf sogar eine Medaille auf der Wiener Weltausstellung gewann. 1873/74 entstand das charakteristische C-förmige Hafenbecken, und seit 1888 fahren die Fähren ganzjährig.
Seit April 2025 fährt hier sogar ein Stück Zukunft mit: die Frisia E-1, Deutschlands erstes rein elektrisch angetriebenes Seeschiff. Der 32 Meter lange Katamaran bringt bis zu 150 Gäste in nur 30 Minuten lautlos und abgasfrei herüber und lädt seine Akkus in Norddeich in knapp einer halben Stunde wieder auf – zu großen Teilen mit Solarstrom von den überdachten Parkplätzen der Reederei.
2024 wurde für rund acht Millionen Euro die neue Südmole eingeweiht. Ohne diesen Hafen würde auf Norderney im wahrsten Sinne nichts laufen.